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Bildreihe zur MISEREOR-Fastenaktion
PHILIPPINEN
Das Bauernnetzwerk
MASIPAG
Förderung diversifizierter Landwirtschaftssysteme und
Erhalt der biologischen Vielfalt in den Philippinen
MISEREOR-Partnerschaftsprojekt Nr.: P60051

Bild 1
Die Philippinen waren nach dem 2. Weltkrieg noch eine der wichtigsten
Volkswirtschaften in Südostasien. Heute muss man sie als
armes Land einstufen, in dem fast 15 % der Bevölkerung mit
weniger als einem Dollar pro Tag auskommen muss. 73% der in Armut
lebenden Philippinos leben in ländlichen Regionen.
Die Philippinen sind heute ein Nettonahrungsmittelimporteur, das
heißt, dass sie mehr Nahrungsmittel importieren als exportieren,
also eine geringe landwirtschaftliche Produktivität aufweisen.
Es müssen große Mengen Reis importiert werden, obwohl
die Philippinen sich in der Vergangenheit selbst versorgen konnten.

Bild 2
Die Landwirtschaftspolitik der Regierung fördert die Exportlandwirtschaft,
die von den Eliten und internationalen Konzernen kontrolliert
wird.
Dadurch wurde die kleinbäuerliche Produktion für die
lokale Märkte vernachlässigt.
Viele Bauernfamilien haben kein eigenes Land oder wirtschaften
auf weniger als einem Hektar. Sie sind kaum in der Lage, genug
Reis für den Eigenbedarf zu produzieren.
Die Agrarreform, die gerechtere Landbesitzverhältnisse schaffen
sollte, wird nur schleppend durchgeführt. Die Einfuhr von
Billigreis aus asiatischen Nachbarstaaten hat die kleinbäuerliche
Landwirtschaft dann gründlich zerstört, weil Kleinbauern
bei niedrigen Preisen keine Anreize haben, selber Reis zu produzieren.

Bild 3
Ein weiterer Faktor hat zur schwierigen Lage der kleinbäuerlichen
Landwirtschaft beigetragen: Die ursprünglich diversifizierte,
traditionelle Landwirtschaft und Nutzung verschiedenster Nahrungsmittelquellen
wurde im Zuge der Grünen Revolution in den 60er Jahren grundlegend
verändert. Die Mehrzahl der Kleinbauernbetriebe hat den
Versprechungen der Landwirtschaftsindustrie vertraut und Hochertragssorten
in Verbindung mit künstlichen Düngemitteln und chemischen
Pflanzenschutzmitteln angebaut.
Diese Bauernfamilien sind heute größtenteils hoch verschuldet,
denn die Preise für die Betriebsmittel steigen stetig, während
die Produktivität der so genannten Hochertragssorten hinter
den Erwartungen zurück bleibt.
Die Organisation Masipag

Bild 4
Dies ist der Kontext, in dem das Bauernnetzwerk Masipag arbeitet.
(Masipag ist eine philippinische Abkürzung für Bauern-Wissenschafts-Netzwerk
für den Fortschritt) Die Organisation hat sich Ende der 80er
Jahre gegründet, als die Nachteile der Grünen Revolution
für Kleinbauern bekannt wurden und sich Bauernorganisationen
gemeinsam mit kritischen Wissenschaftler/innen und Nichtregierungsorganisationen
entschlossen
haben, eine Alternative für die landwirtschaftliche Entwicklung
zu finden.
Im Masipag-Netzwerk sind heute über 30.000 Bauernfamilien
in über 600
Bauerngruppen organisiert. Zahlreiche kirchliche Entwicklungszentren
und andere Organisationen verbreiten die Masipag-Methoden weiter
und arbeiten eng mit dem Netzwerk zusammen.

Bild 5
Bei Masipag stehen die Bäuerinnen und Bauern im Mittelpunkt.
Sie haben ausgehend von der Wiederentdeckung
der Reisvielfalt ein nachhaltiges System entwickelt, in
dem die Kontrolle über Saatgut, Dünger und Pflanzenschutz,
weitgehend bei ihnen liegt. Sie haben inzwischen über 750
alte Reissorten gesammelt und wieder
genutzt, sowie über 500 neue Reislinien gezüchtet, die
ideal an die lokalen landwirtschaftlichen Bedingungen angepasst
sind.
Die Bauern und Bäuerinnen treten selbst als Forscher/innen
auf, die von akademisch geschulten Wissenschaftler/innen unterstützt
werden. Forschung findet direkt auf den Feldern der Bauern und
Bäuerinnen statt und die Kluft zwischen Wissenschaft und
Praxis, zwischen Schulbildung und Lebenserfahrung wird erfolgreich
überwunden.

Bild 6
Die Produktivität der von Masipag-Bauern und Bäuerinnen
gezüchteten Sorten übertrifft selbst die Hochleistungssorten
des international renommierten Reisforschungsinstituts IRRI in
den Philippinen, wie eine 2007 durchgeführte Wirkungsevaluierung
bewiesen hat. Das Masipag-Programm wurde auf Mais ausgedehnt,
nach Reis ein zweites wichtiges Grundnahrungsmittel. Über
60 Mais-Sorten konnten wieder gesammelt und weiter entwickelt
werden.

Bild 7
Mit einem ganzheitlichen Ansatz nehmen Masipag-Familien den gesamten
Betrieb in den Blick, haben nachhaltige Dünge-und Pflanzenschutzmittel
entwickelt und nun auch begonnen, den heimischen Viehbestand weiter
zu entwickeln.
Masipag-Erfolge und Philosophie

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Mit der Besinnung auf die nachhaltige, von externen Betriebsmitteln
weitgehend unabhängige Produktionsweise ist es Masipag gelungen,
die prekäre Lage der verarmten Kleinbauernfamilien zu verbessern.
Masipag arbeitet vor allem mit armen Kleinbauernbetrieben, die
trotz der schlechten Ausgangsbedingungen durch den neuen Arbeitsansatz
ein Mindestmaß an Sicherheit erlangen.

Bild 9
Die Ergebnisse eigener Erhebungen und der statistisch abgesicherten
Evaluierung belegen eine verbesserte Ernährungssicherheit
und eine vielfältigere und damit gesündere Ernährung
der Masipag-Familien. Die Ausgaben für Betriebsmittel sind
stark gesunken, während die Produktivität beachtlich
ist, so dass sich die Landwirtschaft wieder lohnt. So konnte auch
der Schuldendruck stark gesenkt werden.
Durch die ökologische Arbeitsweise vermeiden die Bäuerinnen
und Bauern die gesundheitlichen Risiken der Pestizide und leisten
ihren Beitrag zum Umweltschutz.
Durch die Vielzahl der Nutzpflanzenarten sowie die Sortenvielfalt
auf ihren Feldern helfen sie, die biologische Vielfalt zu erhalten.

Bild 10
Zentrales Element des Systems ist das Saatgut, das getauscht oder
verschenkt wird. So wird der Zugang für alle interessierten
Bäuerinnen und Bauern zu diesem wichtigen Produktionsfaktor,
der erst im Zuge der Grünen Revolution kommerzialisiert wurde,
gesichert. Mit den traditionellen Sorten kam auch das damit verbundene
lokale Wissen zurück, und die Bäuerinnen und Bauern
haben die Zuversicht wieder gewonnen, dass sie selbst die Expert/innen
in ihren Betrieben sind und die richtigen Entscheidungen treffen.
So ist ein Beratungs-und Forschungsansatz entstanden, der von
den Bäuerinnen und Bauern getragen wird, von den Bedürfnissen
an der Basis ausgeht und nicht auf externes Fachwissen angewiesen
ist.

Bild 11
Die Masipag-Mitglieder nehmen aktiv an der Leitung, an den Entscheidungsprozessen
und an der Verwaltung der Organisation teil. Sie arbeiten partnerschaftlich
mit den Wissenschaftler/innen zusammen. Junge Student/innen lernen
von den Bäuerinnen und Bauern.
Entwicklung gegen den Mainstream

Bild 12
Die Masipag-Mitglieder mussten auch lernen, dass die Umstellung
der Betriebe auf ökologischere Arbeitsweisen nicht einfach
ist: Sie erfordert viel Arbeit und den Mut, sich gegen den Mainstream
zu richten, der durch das Internationale Reisinstitut und durch
die an Exportinteressen ausgerichtete Landwirtschaftspolitik geprägt
ist.
In den ersten Jahren der Umstellung auf die ökologische Wirtschaftsweise
ist zunächst mit sinkenden Erträgen zu rechnen, bevor
der Ansatz sich wirtschaftlich lohnt.
Da die Ausgaben für Betriebsmittel jedoch noch stärker
sinken, wird auch der Bedarf an Kapital geringer. Die damit verbundene
Befreiung von der Schuldenlast ist für die meisten Familien
der wichtigste Grund, auf die Masipag-Methoden umzusteigen.

Bild 13
Für arme Familien, die kaum Möglichkeiten haben, Krisensituationen
durch Rücklagen auszugleichen, ist die Ertragssicherheit
wichtiger als mögliche Höchsterträge in guten Jahren,
wie sie die Hochertragslandwirtschaft verheißt. Weitere
wichtige Faktoren, die für die Masipag-Methoden sprechen,
sind der soziale Rückhalt und die
Solidarität. Inmitten von Kommerzialisierung und Konsumdenken
entscheiden sich Masipag-Familien wieder für den ehrenamtlichen
Dienst an der Gemeinschaft und entwickeln eine starke Verantwortung
für die Umwelt und die Gesellschaft.

Bild 14
Die Bäuerinnen und Bauern sind stolz auf ihr wiedergewonnenes
Wissen, entwickeln ihre Persönlichkeit als Masipag-Berater/innen.
Sie haben auch früh begonnen, sich in der Anwaltschaftsarbeit
zu betätigen. So engagieren sich die Bauernorganisationen
für ihre Rechte, die Umsetzung der Agrarreform und für
eine Änderung der Landwirtschaftspolitik auf nationaler und
internationaler Ebene. Sie engagieren sich über ihre Betriebe
hinaus, weil sie erleben, dass eine nachhaltige Landwirtschaft
und Ernährungssicherheit entsprechende Rahmenbedingungen
voraussetzt.
Kleinbauernfamilien brauchen Zugang zu Land und die Kontrolle
über ihre
Produktionsmittel wie Saatgut. Sie brauchen eine Landwirtschaftspolitik,
die neben der Export-auch die kleinbäuerliche Landwirtschaft
fördert und vor den negativen Auswirkungen internationaler
Handelsbeziehungen wie dem ständigen Preisdumping schützt.
Erfahrungen mit dem Klimawandel und Handlungsmöglichkeiten
Die Kleinbauernbetriebe stehen nun vor neuen Herausforderungen
durch
den Klimawandel:
In den Philippinen steigt nicht nur die Temperatur an; Die Zahl
der Zyklone sowie die Zahl der Erdrutsche und Überflutungen
durch die Zunahme extremer Niederschläge macht ihnen bereits
jetzt zu schaffen.
Gleichzeitig treten mehr und längere Trockenperioden auf.
Es wird
erwartet, dass dieser Trend weiter bestehen bleibt. Hinzu kommt
noch der erwartete Meeresspiegelanstieg von 0,21 bis 0,48 m bis
Ende dieses
Jahrhunderts. Wenn bis 2045 der Meeresspiegel um weitere 30cm
steigt
sind 2.000 ha und damit eine halbe Millionen Menschen gefährdet.
Neben der Landfläche, die direkt überflutet wird, ist
auch Grundwasser
durch Salzwasser verunreinigt, so das es nicht mehr als Trinkwasser
zur
Verfügung steht.

Bild 15
Durch die Masipag-Arbeitsweise sind die Bäuerinnen und Bauern
trotz ihrer geringen finanziellen Ressourcen bestmöglich
auf Krisensituationen, wie sie durch den Klimawandel zunehmen,
vorbereitet. Sie haben zum einen lokal angepasste Sorten gewählt,
die weniger anfällig sind und weniger Wasser brauchen. Zum
anderen versetzt sie die große Vielfalt der Feldfrüchte
und Sorten in die Lage, Ausfälle auszugleichen.
Die genetische Bandbreite der Sorten wiederum verringert sogar
das Risiko des Totalausfalls einer Ernte, denn unter der Vielzahl
der Pflanzen sind immer auch einige, die schlechten Wetterverhältnissen
oder gar Katastrophen widerstehen können.

Bild 16
Welchen konkreten Vorteil diese Vielfalt bietet, zeigt folgendes
Beispiel: Im Jahr 2006 ist eine der Masipag-Versuchsfarmen auf
der Hauptinsel Luzon bei einer Flut mit Meerwasser überschwemmt
worden. Normalerweise kann der Reis das Salzwasser nicht überleben.
Es hat sich jedoch gezeigt, dass elf der dort angebauten 50 Reissorten
die Überflutung überlebt haben. Auch eine Bauernfamilie,
deren Felder
überflutet wurden, konnte erleichtert feststellen, dass zwei
ihrer Reissorten überlebt haben: eine traditionelle Sorte
und eine von den Masipag-Bäuer/innen gezüchteteSorte.
Da viele Bauernfamilien in Küstennähe damit rechnen
müssen, dass der Meeresspiegel steigt und ihre Felder öfter
mit Salzwasser überflutet werden, sowie das Trinkwasser zunehmend
versalzt, wird Masipag diese Erfolge dokumentieren und die Pflanzen
weiter testen. Die Bauernorganisation sieht hier eine Möglichkeit,
mit den Folgen der Klimaerwärmung umgehen zu können,

Bild 17
Die Anpassungsmöglichkeiten sind jedoch eingeschränkt,
denn wenn Wirbelstürme das Land verwüsten, Ackerflächen
langfristig überflutet sind oder aber Schlammlawinen die
Felder zudecken. Hier stoßen auch die Masipag-Mitglieder
an ihre Grenzen.
Masipag setzt sich deshalb intensiv mit den Herausforderungen
des Klimawandels auseinander. Klimaschutz bleibt die wichtigste
Maßnahme.

Bild 18
In Diskussionen haben die Bäuerinnen und Bauern zusammengetragen,
wie sie sich vor den negativen Auswirkungen von Klimaveränderungen
wehren können. Die Risiken können durch den Anbau einer
möglichst großen Bandbreite von Sorten und Feldfrüchten
sowie unterschiedlicher Aussaatzeiten reduziert werden. Feldfrüchte
können ausgetauscht werden, zum Beispiel Gemüse statt
Reis, wenn das Wasser nicht mehr reicht. Auch die Ausweitung der
Viehhaltung, die weniger etterabhängig
ist, kann die Krisenanfälligkeit der Bäuerinnen und
Bauern schützen.

Bild 19
Maßnahmen wie die Anlage von Saatgutreserven in anderen
Regionen, um den Saatgutverlust nach Katastrophen auszugleichen,
die Verbesserung der Bewässerungseinrichtungen in Trockengebieten
oder der Dammbau zum Schutz vor Überflutungen übersteigen
allerdings die Möglichkeiten der einzelnen Masipag-Gruppen.
Hier muss das Netzwerk auf seine große Solidarität
zurückgreifen, gleichzeitig aber auch Einfluss bei der Regierung
üben, die den Klimawandel und den Schutz der Menschen vor
dessen Folgen noch nicht sehr ernst zu nehmen scheint.
Text/ Überarbeitung: Anja Mertineit / Walter Nett
Fotos: Achim Pohl/Misereor
Ne/11/2008
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